Snow and Surf

Profi-Snowboarder und Soul-Surfer

 

bild-1-620x310Pic: Basti Gogl

 

Meine Profikarriere als Freestyle-Profi-Snowboarder ging von 2000-2007.

 

In der Grundschule war da schon das Windsurfen auf dem Ammersee und das Skaten, dann als kleiner Teenager kam das Snowboarden im Winter und im Sommerurlaub am Atlantik auch noch das Wellenreiten dazu (als mein Bruder Mauritz und ich ein Wellenreitbrett selber bauten).

Als Extremsportler lernte ich Grundlegendes über Hingabe, Vertrauen und Präsenz, Durchhaltevermögen, innere Ausrichtung und Selbstbewusstsein. Ich lernte auch Erfolge zu feiern und Niederlagen und körperliche Verletzungen anzunehmen.

n606939439_1300043_5347 Pic: Bärli Töpfer

 

Im Rückblick sehe ich die Zeit als Extremsportler wie eine Kriegerzeit, in der ich meine Furchtlosigkeit und Körperbeherrschung in einer Kameradschaft von Gleichgesinnten unter Beweis stellten konnte. Wir waren unsere eigenen durchgeknallten Helden. In der Snowboard-Szene damals wurde immer zusammen gefeiert, ganz egal wer den Wettbewerb gewonnen hatte. In dieser Zeit lernte ich aber auch Risiken und Gefahren realistisch und intuitiv einzuschätzen und genauso Limits bewusst zu überschreiten. Das Limit zu kennen war tatsächlich lebensnotwendig, wenn es darum ging zu entscheiden, welchen Felsen ich hinunter springen konnte und welchen nicht, wie viel Schwung ich brauchte um über eine Straße zu springen, und um nach Saltos und Schrauben in der Luft wieder auf den Füßen zu landen.

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Gegen Ende meiner Snowboard-Kariere hatte ich allerdings zunehmend schwere Verletzungen, was einher ging mit immer weniger Motivation für den Sport. Ich verletzte mich dreimal in Folge. Immer wenn ich wieder fit war, brach ich mir etwas anderes, nach den Schultern war es eine angebrochene Wirbelplatte auf Höhe der Brustwirbelsäule, sozusagen das Rückgrat hinter dem Herzen. Die Diagnose brachte mich zu der Einsicht, dass ich nicht mehr mit dem Herzen und der im Extremsport lebensnotwendigen Konzentration dabei war, dass ich meinen Weg vielleicht woanders weiter zu gehen hatte, um mich nicht vollkommen zu zerstören.

 

Im Rahmen des Sportinternats in Ftan, das ich besuchen wollte um meinen sportlichen Ambitionen nachzugehen, begegnete ich meinem ersten und wichtigsten Trainer Joseph Zangerl. Ein Tiroler Urgestein, der meine Beziehung zu körperlicher und mental-psychischer Fitness und mein Trainingsverständnis grundlegend prägte. Joe zeigte uns neben konventionellen Trainingsmethoden auch Mentaltraining und wie wir es für Konzentration, bessere Schulnoten und Sporterfolge nutzen konnten. Einfache geführte Meditationen wie Körperwahrnehmung und Tiefenentspannung flossen in unser Training mit ein.

 

Das Mentaltraining (Alphazustand-Programmierung) und die innere Wettkampf-vorbereitung, waren wichtige Bausteine in meiner geistigen Entwicklung und möglicherweise eine Voraussetzung für meine anknüpfenden Erfolge als Profi-Snowboarder. Das Jahr 2000 war ein Meilenstein und befreiendes Jahr für mich: Ich bestand meine Führerscheinprüfung, wurde Vize-Jugendweltmeister in der Halfpipe, schlief das erste Mal mit einer Frau und bestand meine (Schweizer) Matura. Ich hielt mich für den glücklichsten und freisten Menschen der Welt, weil mir die Schule nie leicht gefallen war und alles andere, was mir im Universum noch wichtig und erstrebenswert erschien, hatte sich auch zum Besseren gewendet.

 

Eine wichtige und eindrucksvolle Erfahrung war für mich auch, als ich mit 21 Jahren einen folgereichen Liebeskummer hatte, weil aus einer schönen Sommer-Begegnung mit K. nichts geworden war. Um den Liebeskummer los zu werden oder zu besiegen, so dachte ich, könnte ich die emotionale Kraft in meinen Trainings-Willen leiten. Ich fühlte mich dadurch stärker und leistungsfähiger. Ich nutzte bewusst die Wut- und Trauer-Energie und transformierte sie in sportliche Leistung. So hatte ich überdurchschnittlich viel Fokus und Durchhaltevermögen in meiner Saisonvorbereitung. Der folgende Winter wurde sportlich betrachtet mein Durchbruch zur Weltspitze und ich gewann mehrere internationale Wettbewerbe und wurde Europameister in der Halfpipe (2003). Der letzte große Event meiner Wettkampf-Karriere waren die Olympischen Spiele in Turin (2006), bei denen ich als Finalist mit dem 9. Platz meine Wettkampfkarriere abschloss.

 

Ich erinnere mich auch an Momente tiefer Dankbarkeit für besondere Ereignisse in meinem Leben als Sportler und Lebenskünstler. So bedankte ich mich zum Bespiel nach besonderen Erfolgen oder besonderen Reisen bei einem höheren Wesen oder bei einem großen Ganzen, das ich aber nicht benannte und auch niemandem von dieser intimen Beziehung erzählte. Die Dankbarkeit löste jedenfalls zusätzlich ein Gefühl von Sicherheit und tiefem Glück aus. Von Joe Zangerl hatte ich gelernt, das Gefühl des Erfolgs und der Dankbarkeit zu speichern, um mich jederzeit im Leben daran erinnern zu können.

 

Auch hatte ich kaum noch Lust an dem ausschweifenden, lustigen und manchmal  oberflächlichen Life-Style und dem ständigen Unterwegssein. Nach diesen wilden Jahren sehnte ich mich vor allem nach Ruhe, ohne zu wissen, wie das ging. Ich hatte Hunger auf eine andere Lebensphilosophie, eine andere Kultur, auf etwas ganz anderes, etwas, das mir noch nicht fassbar war, etwas, das ich im Sport scheinbar nicht finden konnte. Der zweijährige Übergang zwischen der Zeit als Snowboarder/Filmemacher und der Zeit in der ich mich dann (mit 26 Jahren) vor allem nach innen wendete, war geprägt von einer Passion für Film, Kunst und Ästhetik im Allgemeinen.

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